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  • "Ich bin da zu Hause,

    WO ICH GUT VERSORGT WERDE."

    "ICH BIN DA ZU HAUSE,

    WO ICH GUT VERSORGT WERDE."

    "Ich bin da zu Hause,

    WO ICH GUT VERSORGT WERDE."

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Altenwohn- und Pflegeheim St. Elisabeth von Thüringen

Lernen Sie unser Haus kennen!

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Geschichte

Die Geschichte unseres Hauses reicht weit zurück. Einen detaillierten Überblick dazu haben wir hier für Sie aufbereitet.

  • Beginn: Elisabeth von Thüringen …eine folgenreiche Geschichte

    Es war im Grunde genommen sehr mutig, als vor mehr als hundert Jahren zahlreiche katholische Vereine, die sich um Notleidende kümmern wollten, Elisabeth von Thüringen als ihre Patronin wählten. Denn diese Frau war in ihrem Engagement wirklich radikal gewesen. In einer Zeit, da die Welt der Wohlhabenden und die Welt der Kranken und Armen (was meist gleichbedeutend war) noch schärfer getrennt war als heute, überschritt sie die Grenze nach unten- nicht „herablassend“ und „milde Gaben“ verteilend, sondern um dort unten zu bleiben.


    In die Wiege gelegt worden war ihr solch ein Verhalten nicht. Im Gegenteil. Ihr Vater, Andreas II., König von Ungarn, war eine wenig rühmliche Gestalt. Die herrschsüchtige Mutter Gertrud fällt einem Mordanschlag zum Opfer. Die vierjährige Elisabeth wird dem thüringischen Thronfolger versprochen und wächst auf der Wartburg auf. Dort aber zeigt sich bald ihre Andersartigkeit und schnell gerät sie mit dem höfischen Standesbewusstsein in Konflikt. Selbst von ihren Dienerinnen will sie nur mit „Du“ angeredet werden und weigert sich auch, etwas zu essen, wenn die Speisen auf ungerechte Weise erworben wurden!


    Im Jahr 1221 wird die Ehe zwischen der 13-jährigen Elisabeth und dem 20-jährigen Ludwig geschlossen, der kurz zuvor die Nachfolge seines Vaters angetreten hat. Zwischen den beiden entwickelt sich – für die damalige Zeit neu und ungewöhnlich – eine echte Liebe und Zärtlichkeit. Ludwig toleriert und unterstützt auch die „soziale Ader“ seiner Frau. Sie verhilft den „Brüdern“ des (noch lebenden) Franziskus zu einer Niederlassung in Eisenach, stiftet mehrere Hospitäler. Während der großen Hungersnot von 1226 verteilt sie –während Ludwig abwesend ist- ohne Absicherung die eigenen Vorräte.


    Als Ludwig sich mit dem bewunderten Vetter, Kaiser Friedrich II., 1227 auf den Kreuzzug begibt ( bei dem später die Rückgabe Jerusalems durch Verhandlungen erreicht wird) und wenig später in Süditalien an einer Seuche stirbt, schreit Elisabeth beim Erhalt der Nachricht:“ Tot ist er! Dann ist mir die Welt tot und alles, was an ihr süß ist!“


    Diese „Umwertung aller Werte“ bestimmt ihr weiteres Leben. Sie widersetzt sich einer geplanten neuen Ehe (immerhin mit dem Kaiser), und als Ludwigs Nachfolger, Heinrich Rasp ihren bestätigten Widerstand gegen die “allgemeine Sitte“ nicht duldet und sie sich dessen Druck nicht beugen will, flieht sie kurz darauf (freiwillig) von der Wartburg. Zunächst lebt sie unten in der Stadt Eisenach, bespöttelt als „aller Welt Törin“, bis sie 1229 von ihrem Witwengut, das endlich freigegeben wird, ein Hospital in Marburg baut. Dort arbeitet sie als einfache „Schwester“, pflegt besonders die Kranken, vor denen sich andere ekeln, und ist sicher, „auf diese Weise den Heiland zu baden“.


    Schon zwei Jahre später erkrankt sie selbst. Vor ihrem Tod wünscht sie, nur noch von den Bewohnern des Spitals umgeben zu sein. An ihrem Bett sitzt der mit Krätze behaftete Junge, dem sie die Mutter ersetzte, und der die Zelle mit ihr teilt. Mit 24 Jahren stirbt sie in der Nacht vom 16. Auf den 17. November 1231.


    Gleich nach dem Tod beginnt die Verehrung Elisabeths, deren Ausstrahlung mit dem Tod nicht endet. Schon 1236 wird sie heiliggesprochen; ihre Gebeine werden in die Marburger Elisabethkirche überführt. Kaiser Friedrich II. folgt barfuß ihrem Sarg und sagt:“ Ich durfte sie auf Erden nicht zur Kaiserin krönen, so will ich sie jetzt ehren mit dieser Krone als eine ewige Königin in Gottes Reich.“ Und als im 19. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung nicht nur Krankheit, Not und neue Armut, sondern auch das soziale Verantwortungsbewusstsein wächst, besinnt man sich in kirchlichen Kreisen auf Elisabeth. Sie wird zur Patronin von Vereinen, Krankenhäusern und – wegen der Geschichte von dem Jungen- von Waisenhäusern. Wieder sind es vor allem Frauen, die sich der neuen Aufgabe stellen, und es bleibt das historische Verdienst der Kirche, hier Aufgaben übernommen zu haben, denen die Gesellschaft sich nur langsam öffnete.


    Und doch bleibt der Stachel, den die katholische Schriftstellerin Ida Friederike Görres in die Worte fasst:“ Was täten unsere heutigen caritativen Verbände mit einer Mitarbeiterin, die sich buchstäblich nach Elisabeths Vorbild richten würde?...Es wäre nicht nur eine Verlegenheit, sondern ein Betriebsunfall.“ Aber vielleicht macht gerade das die Landgräfin Elisabeth zur „heiligen Elisabeth“, dass von dieser Frau die gleiche Faszination und Verunsicherung ausgeht wie einst von dem Mann aus Nazareth.

  • Entwicklung: Das St. Elisabeth-Heim 1889 - 1986

    Kurz nach der Gründung des Kaiserreiches 1871 tobt auch in Wattenscheid der "Kulturkampf" zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche, deren Einfluss zurückgedrängt werden soll. Als die Wattenscheider Katholiken 1873 auf einem Grundstück an der Steeler Straße, das "Am Spieß" genannt wird, eine "höhere Bürgerschule" planen, wird deshalb der Bau "aus taktischen Gründen" von Privatleuten errichtet. Dennoch wird die Schule bereits ein Jahr später von der Stadt - Wattenscheid gehört ja zum Land Preußen - aufgehoben. An die Stelle der kirchlichen Schule tritt das "Gymnasium Marcanum", die spätere Märkische Schule. Der Schulbau wird zunächst von der höheren Töchterschule genutzt, dann von den katholischen Volksschulen.


    Als der Kulturkampf zu Ende geht und nach Verhandlungen Bismarcks mit Papst Leo XIII. die meisten Bestimmungen wieder aufgehoben werden, kauft die Gemeinde St. Gertrud 1887 den Schulbau, baut ihn aber in der Folge so um, dass er künftig als Waisenhaus dienen kann. Solch ein Haus ist dringend notwendig: Im Rahmen der Industrialisierung ist die traditionelle Großfamilie zerbrochen, die elternlose Kinder aufnehmen konnte.


    Die "katholische Waisenanstalt zu Wattenscheid" wird am 19. November 1889, dem Fest der hl. Elisabeth, von Pfarrer Hausmann als Filiale des Marienhospitals eröffnet und nimmt zunächst 13 Kinder auf. Die Statuten regeln, dass nur katholische Kinder aufgenommen werden, dass der Kirchenvorstand der Gemeinde das Kuratorium des Heims bildet, dass die Stadt für den Unterhalt von Wattenscheider Kindern monatlich 12 Mark an Pflegekosten zahlt, und dass die "Barmherzigen Schwestern nach der Regel des heiligen Vinzenz von Paul zu Paderborn" die Pflege der Kinder übernehmen sollen.


    Vinzenz von Paul hatte im 17. Jahrhundert eine neue Art von Ordensgemeinschaft geschaffen. Seine "Schwestern" lebten, wie einst Elisabeth, mit den Armen: Das Kloster besteht für sie in den Hütten der Armen, die Zelle in einem gemieteten Zimmer, ... die Klausur in der Furcht des Herrn, der Schleier in Bescheidenheit." Im Laufe der Zeit übernehmen sie dann doch die traditionellen Formen klösterlichen Lebens, kümmern sich aber weiterhin um Benachteiligte - seien es nun Kranke, Waisen oder die oft ausgesetzten unehelichen Kinder. In Bochum betreuen die Vinzentinerinnen seit 1848 das Elisabeth-Krankenhaus, in Wattenscheid seit 1870 das Marienhospital.


    Im Juli 1890 übernehmen drei Schwestern die Leitung des Waisenhauses. Der Tagesablauf der Kinder ist streng geregelt - vom Aufstehen um 5 Uhr über die tägliche Messe und das Rosenkranzgebet in der Kapelle bis zum Schlafengehen um 7 3/4 Uhr. Die Kinder besuchen die normalen Schulen - die meisten die Johannisschule an der Schulstraße. Schon ein Jahr später ist die Zahl der Kinder auf 60 gestiegen: Ein Erweiterungsbau wird notwendig, für den die Gemeinde weiteres Land erwirbt. Der Altbau wird aufgestockt, und westlich davon entsteht ein mächtiger Anbau. All das ist nur durch zahlreiche Schenkungen möglich. Nun kann das Haus auch für Vorträge und für eine Nähschule genutzt werden.


    In der Folgezeit löst sich das Waisenhaus vom Krankenhaus: 1895 wird es als selbstständige Einrichtung anerkannt. Die Schwestern betreuen nun auch den Kindergarten, der in den Räumen an der Weststraße 5, gegenüber der Kirche eingerichtet worden ist. 1902 wird hinter dem Waisenhaus das Wirtschaftsgebäude erweitert - immerhin werden Schweine und Kühe gehalten, und der „Waisenesel" ist als Transportmittel eine feste Institution.


    Nachdem das Haus 1906 wegen einer allgemeinen Typhusepidemie für einige Wochen geschlossen werden musste, nimmt es dann während des 1. Weltkrieges zeitweise über 250 Kinder auf! Die Zeit der größten Not aber kommt für das Haus und die Kinder nach dem Krieg. Auch die Gemeinde kann nur wenig tun: Während der Inflation reicht eine Anleihe bei der Landesbank von 200 Billionen Mark gerade einmal, um 30 Zentner Kartoffeln zu bezahlen. Während der Ruhrbesetzung durch französische Truppen besorgt ein in Weitmar stationierter Militärpfarrer von sich aus den Waisen mehrere Zentner Erbsen, Brot, Mehl und Trockenfrüchte. Die Oberin Sr. Lucretia erreicht, dass die Zeche Zentrum-Hannover elektrisches Licht installiert, da die Versorgung mit Leuchtgas ausgefallen ist und die Kinder mehrere Wochen im Dunkeln leben.


    Als sich nach der Umstellung auf die Goldmark die wirtschaftliche Lage bessert, wird nicht nur die Kapelle mit einem neuen Altar, neuen Fenstern und einer neuen Ausmalung versehen - auch die Kinder kommen in den Genuss von Neuerungen: Badewannen und sogar eine Höhensonne werden angeschafft. Auch die personelle Situation bessert sich: Die Zahl der Schwestern steigt auf zwölf. Immer aber bleibt das Waisenhaus auf Unterstützung der Gemeinde angewiesen - und erhält sie auch. Bis 1930 sammeln die älteren Kinder des Hauses sonntags den Waisenhausgroschen ein: dann werden sie vom Waisenhaus-Sammelverein abgelöst. Wichtiger aber bleiben die Stiftungen: 1932 beispielsweise vermacht Franz Schulte-Hordelhoff aus Günnigfeld, der -durch den Verkauf von Land an die Zechen reich geworden ist, sein Gut bei Overath im Bergischen Land einer Stiftung, die erholungsbedürftige Kinder des Waisenhauses unterstützen soll. Erstmals können die Kinder daraufhin Ferien machen!


    Trotz des Konkordates zwischen dem Vatikan und dem Deutschen Reich wird bald nach der Machtergreifung Hitlers die Arbeit des Waisenhauses behindert: Alle Erziehung soll in den Händen des NS-Staates liegen. Schon 1935 darf der Waisenhaus-Verein keine Haussammlungen mehr durchführen, ab 1938 müssen die kirchlichen Häuser Grundsteuer bezahlen, 1939 - im Jahr des 50-jährigen Jubiläums - wird die Nähschule geschlossen, 1941 wird der Gemeinde verboten, ohne das städtische Jugendamt über den äußeren Bestand des Hauses zu verfügen, und während des Krieges ist es fast unmöglich, wichtige Güter (beispielsweise Leder zum Flicken) zu beziehen. Ab 1942 wird Wattenscheid dann auch von den alliierten Bombenangriffen getroffen, die der Ruhrindustrie gelten. Daraufhin werden die Kinder im Juni 1943 evakuiert. Die Jungen kommen ins ostwestfälische Geseke, wo sie in der Sackfabrik Feldmann untergebracht werden, die Mädchen nach Körtlinghausen.


    Es gibt Versuche, das fast leerstehende Haus – nur wenige Schwestern und Personal bleiben – zu enteignen. Durch eine Teilvermietung an die Zeche Holland, die in den Räumen Bergleute unterbringt, kann das verhindert werden. 1944 werden bei einem Angriff auf Geseke elf von 40 Kindern sowie zwei Schwestern und eine Angestellte getötet.


    Nach Ausbesserung der Kriegsschäden ist das Haus Anfang der 50er Jahre „nach heutigen Bestimmungen völlig unzureichend“. Am 27. September 1956 erfolgt der erste Spatenstich, und am 17. März 1957 wird der Grundstein des neuen „Kinderheims“, wie man sagt, gelegt. Das neue Haus soll 130 Kindern Platz bieten. Die Einweihung findet am 8. Juli 1958 statt. Schon ein Jahr später sind im Neubau 160, im Altbau 60 Kinder unterzubringen. So werden Pläne für einen neuen, größeren Jungentrakt entworfen. Die Fertigstellung des nördlichen Neubaus erfolgt bis 1962. Der Altbau wird endgültig abgerissen.


    Als im Jahr 1964 das 75-jährige-Jubiläums gefeiert wird, sind im Haus 14 Schwestern beschäftigt, 29 Personen auswärtiges Personal und neun sogenannte Sonntagshelferinnen. Die 150 Plätze des Hauses werden von 17 Säuglingen, 57 Kinder bis zu sechs Jahren und 71 Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren belegt, von denen – wie eigens bemerkt wird – 32 evangelisch sind: Die konfessionelle Beschränkung wurde inzwischen aufgegeben.


    Da die Zahl der Schwestern in den sogenannten „tätigen Orden“ immer mehr zurückgeht, teilt das Paderborner Mutterhaus der Wattenscheider Gemeinde Mitte 1970, dass die Vinzentinerinnen ihre Arbeit im Kinderheim zum 31.März 1972 beenden müssen. So vollzieht sich nach der Verabschiedung der letzten Schwestern der bis dahin einschneidenste Wandel in der Geschichte des Hauses. Ein Sozialpädagoge übernimmt die Leitung, Erzieherinnen und Erzieher treten an die Stelle der Ordensfrauen.


    Auch sonst gehen die gesellschaftlichen Entwicklungen nicht am Elisabeth - Heim vorbei. Aus der „Fürsorge“ ist die „Sozialhilfe“ geworden – im Idealfall nicht Versorgung, sondern Hilfe zur Selbsthilfe. So wird man auch zunehmend sensibel für die Probleme der Heimerziehung: Viele Kindern sind nicht nur mit dem Makel „Heimkind“ behaftet, sondern durch die Erziehung in einer „Anstalt“ oft ohne Wärme aufgewachsen und nicht auf das spätere Alltagsleben vorbereitet.


    Deshalb sucht man auch in der „Fürsorgeerziehung“ nach neuen Formen: Die Behörden bemühen sich mehr und mehr, Pflegefamilien für Waisen und vernachlässigte Kinder zu finden - das Heim soll nur „letzte“ Möglichkeit sein. So geht auch in Wattenscheid die Auslastung des Kinderheims enorm zurück. Schon 1974 wird die Zahl der Plätze, die bereits zuvor auf 120 gesenkt worden war, auf 96 reduziert; 1977 erfolgt eine weitere Reduzierung auf 80 Plätze.


    1978 erfolgt eine strukturelle Umstellung des Heims auf „Wohngruppen“, in denen Kinder aller Altersstufen und beiderlei Geschlechts zusammenleben. Auf diese Weise versucht man, den vielfach verhaltensgestörten Kindern so weit als möglich einen familienähnlichen Rahmen zu geben. Die Zahl der Plätze im Heim geht weiter zurück – 1979 auf 64. Schließlich wird 1982 wird beschlossen, das alte Haus ganz aufzugeben.


    Im Jahr darauf wird die offizielle Zahl der Plätze noch einmal reduziert; 50 Kinder können nun in fünf Wohngruppen – verteilt im Stadtgebiet- untergebracht werden.


    Während das Kinderheim bald darauf ganz aufgelöst wird, erwacht das Gebäude zu neuem Leben. Nachdem die Überlegungen, es in eine Suchtklinik umzuwandeln, aus Kostengründen gescheitert waren, war 1983 beschlossen worden, dort das seit langem dringend benötigte Altenheim einzurichten. Dazu ist allerdings ein gründlicher Umbau notwendig. Nach dem Auszug des Kinderheims beginnen die Arbeiten, am 17. September 1985 wird Richtfest gefeiert, und am 3. November 1986 ziehen die ersten neuen Bewohner in das „Altenwohn- und Pflegheim St. Elisabeth von Thüringen“ ein.

  • Aktuell: 1986 – 2019

    Hier folgen in Kürze weitere Informationen.

Geschichte

Die Geschichte unseres Hauses reicht weit zurück. Einen detaillierten Überblick dazu haben wir hier für Sie aufbereitet.

  • Beginn: Elisabeth von Thüringen …eine folgenreiche Geschichte

    Es war im Grunde genommen sehr mutig, als vor mehr als hundert Jahren zahlreiche katholische Vereine, die sich um Notleidende kümmern wollten, Elisabeth von Thüringen als ihre Patronin wählten. Denn diese Frau war in ihrem Engagement wirklich radikal gewesen. In einer Zeit, da die Welt der Wohlhabenden und die Welt der Kranken und Armen (was meist gleichbedeutend war) noch schärfer getrennt war als heute, überschritt sie die Grenze nach unten- nicht „herablassend“ und „milde Gaben“ verteilend, sondern um dort unten zu bleiben.


    In die Wiege gelegt worden war ihr solch ein Verhalten nicht. Im Gegenteil. Ihr Vater, Andreas II., König von Ungarn, war eine wenig rühmliche Gestalt. Die herrschsüchtige Mutter Gertrud fällt einem Mordanschlag zum Opfer. Die vierjährige Elisabeth wird dem thüringischen Thronfolger versprochen und wächst auf der Wartburg auf. Dort aber zeigt sich bald ihre Andersartigkeit und schnell gerät sie mit dem höfischen Standesbewusstsein in Konflikt. Selbst von ihren Dienerinnen will sie nur mit „Du“ angeredet werden und weigert sich auch, etwas zu essen, wenn die Speisen auf ungerechte Weise erworben wurden!


    Im Jahr 1221 wird die Ehe zwischen der 13-jährigen Elisabeth und dem 20-jährigen Ludwig geschlossen, der kurz zuvor die Nachfolge seines Vaters angetreten hat. Zwischen den beiden entwickelt sich – für die damalige Zeit neu und ungewöhnlich – eine echte Liebe und Zärtlichkeit. Ludwig toleriert und unterstützt auch die „soziale Ader“ seiner Frau. Sie verhilft den „Brüdern“ des (noch lebenden) Franziskus zu einer Niederlassung in Eisenach, stiftet mehrere Hospitäler. Während der großen Hungersnot von 1226 verteilt sie –während Ludwig abwesend ist- ohne Absicherung die eigenen Vorräte.


    Als Ludwig sich mit dem bewunderten Vetter, Kaiser Friedrich II., 1227 auf den Kreuzzug begibt ( bei dem später die Rückgabe Jerusalems durch Verhandlungen erreicht wird) und wenig später in Süditalien an einer Seuche stirbt, schreit Elisabeth beim Erhalt der Nachricht:“ Tot ist er! Dann ist mir die Welt tot und alles, was an ihr süß ist!“


    Diese „Umwertung aller Werte“ bestimmt ihr weiteres Leben. Sie widersetzt sich einer geplanten neuen Ehe (immerhin mit dem Kaiser), und als Ludwigs Nachfolger, Heinrich Rasp ihren bestätigten Widerstand gegen die “allgemeine Sitte“ nicht duldet und sie sich dessen Druck nicht beugen will, flieht sie kurz darauf (freiwillig) von der Wartburg. Zunächst lebt sie unten in der Stadt Eisenach, bespöttelt als „aller Welt Törin“, bis sie 1229 von ihrem Witwengut, das endlich freigegeben wird, ein Hospital in Marburg baut. Dort arbeitet sie als einfache „Schwester“, pflegt besonders die Kranken, vor denen sich andere ekeln, und ist sicher, „auf diese Weise den Heiland zu baden“.


    Schon zwei Jahre später erkrankt sie selbst. Vor ihrem Tod wünscht sie, nur noch von den Bewohnern des Spitals umgeben zu sein. An ihrem Bett sitzt der mit Krätze behaftete Junge, dem sie die Mutter ersetzte, und der die Zelle mit ihr teilt. Mit 24 Jahren stirbt sie in der Nacht vom 16. Auf den 17. November 1231.


    Gleich nach dem Tod beginnt die Verehrung Elisabeths, deren Ausstrahlung mit dem Tod nicht endet. Schon 1236 wird sie heiliggesprochen; ihre Gebeine werden in die Marburger Elisabethkirche überführt. Kaiser Friedrich II. folgt barfuß ihrem Sarg und sagt:“ Ich durfte sie auf Erden nicht zur Kaiserin krönen, so will ich sie jetzt ehren mit dieser Krone als eine ewige Königin in Gottes Reich.“ Und als im 19. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung nicht nur Krankheit, Not und neue Armut, sondern auch das soziale Verantwortungsbewusstsein wächst, besinnt man sich in kirchlichen Kreisen auf Elisabeth. Sie wird zur Patronin von Vereinen, Krankenhäusern und – wegen der Geschichte von dem Jungen- von Waisenhäusern. Wieder sind es vor allem Frauen, die sich der neuen Aufgabe stellen, und es bleibt das historische Verdienst der Kirche, hier Aufgaben übernommen zu haben, denen die Gesellschaft sich nur langsam öffnete.


    Und doch bleibt der Stachel, den die katholische Schriftstellerin Ida Friederike Görres in die Worte fasst:“ Was täten unsere heutigen caritativen Verbände mit einer Mitarbeiterin, die sich buchstäblich nach Elisabeths Vorbild richten würde?...Es wäre nicht nur eine Verlegenheit, sondern ein Betriebsunfall.“ Aber vielleicht macht gerade das die Landgräfin Elisabeth zur „heiligen Elisabeth“, dass von dieser Frau die gleiche Faszination und Verunsicherung ausgeht wie einst von dem Mann aus Nazareth.

  • Entwicklung: Das St. Elisabeth-Heim 1889 - 1986

    Kurz nach der Gründung des Kaiserreiches 1871 tobt auch in Wattenscheid der "Kulturkampf" zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche, deren Einfluss zurückgedrängt werden soll. Als die Wattenscheider Katholiken 1873 auf einem Grundstück an der Steeler Straße, das "Am Spieß" genannt wird, eine "höhere Bürgerschule" planen, wird deshalb der Bau "aus taktischen Gründen" von Privatleuten errichtet. Dennoch wird die Schule bereits ein Jahr später von der Stadt - Wattenscheid gehört ja zum Land Preußen - aufgehoben. An die Stelle der kirchlichen Schule tritt das "Gymnasium Marcanum", die spätere Märkische Schule. Der Schulbau wird zunächst von der höheren Töchterschule genutzt, dann von den katholischen Volksschulen.


    Als der Kulturkampf zu Ende geht und nach Verhandlungen Bismarcks mit Papst Leo XIII. die meisten Bestimmungen wieder aufgehoben werden, kauft die Gemeinde St. Gertrud 1887 den Schulbau, baut ihn aber in der Folge so um, dass er künftig als Waisenhaus dienen kann. Solch ein Haus ist dringend notwendig: Im Rahmen der Industrialisierung ist die traditionelle Großfamilie zerbrochen, die elternlose Kinder aufnehmen konnte.


    Die "katholische Waisenanstalt zu Wattenscheid" wird am 19. November 1889, dem Fest der hl. Elisabeth, von Pfarrer Hausmann als Filiale des Marienhospitals eröffnet und nimmt zunächst 13 Kinder auf. Die Statuten regeln, dass nur katholische Kinder aufgenommen werden, dass der Kirchenvorstand der Gemeinde das Kuratorium des Heims bildet, dass die Stadt für den Unterhalt von Wattenscheider Kindern monatlich 12 Mark an Pflegekosten zahlt, und dass die "Barmherzigen Schwestern nach der Regel des heiligen Vinzenz von Paul zu Paderborn" die Pflege der Kinder übernehmen sollen.


    Vinzenz von Paul hatte im 17. Jahrhundert eine neue Art von Ordensgemeinschaft geschaffen. Seine "Schwestern" lebten, wie einst Elisabeth, mit den Armen: Das Kloster besteht für sie in den Hütten der Armen, die Zelle in einem gemieteten Zimmer, ... die Klausur in der Furcht des Herrn, der Schleier in Bescheidenheit." Im Laufe der Zeit übernehmen sie dann doch die traditionellen Formen klösterlichen Lebens, kümmern sich aber weiterhin um Benachteiligte - seien es nun Kranke, Waisen oder die oft ausgesetzten unehelichen Kinder. In Bochum betreuen die Vinzentinerinnen seit 1848 das Elisabeth-Krankenhaus, in Wattenscheid seit 1870 das Marienhospital.


    Im Juli 1890 übernehmen drei Schwestern die Leitung des Waisenhauses. Der Tagesablauf der Kinder ist streng geregelt - vom Aufstehen um 5 Uhr über die tägliche Messe und das Rosenkranzgebet in der Kapelle bis zum Schlafengehen um 7 3/4 Uhr. Die Kinder besuchen die normalen Schulen - die meisten die Johannisschule an der Schulstraße. Schon ein Jahr später ist die Zahl der Kinder auf 60 gestiegen: Ein Erweiterungsbau wird notwendig, für den die Gemeinde weiteres Land erwirbt. Der Altbau wird aufgestockt, und westlich davon entsteht ein mächtiger Anbau. All das ist nur durch zahlreiche Schenkungen möglich. Nun kann das Haus auch für Vorträge und für eine Nähschule genutzt werden.


    In der Folgezeit löst sich das Waisenhaus vom Krankenhaus: 1895 wird es als selbstständige Einrichtung anerkannt. Die Schwestern betreuen nun auch den Kindergarten, der in den Räumen an der Weststraße 5, gegenüber der Kirche eingerichtet worden ist. 1902 wird hinter dem Waisenhaus das Wirtschaftsgebäude erweitert - immerhin werden Schweine und Kühe gehalten, und der „Waisenesel" ist als Transportmittel eine feste Institution.


    Nachdem das Haus 1906 wegen einer allgemeinen Typhusepidemie für einige Wochen geschlossen werden musste, nimmt es dann während des 1. Weltkrieges zeitweise über 250 Kinder auf! Die Zeit der größten Not aber kommt für das Haus und die Kinder nach dem Krieg. Auch die Gemeinde kann nur wenig tun: Während der Inflation reicht eine Anleihe bei der Landesbank von 200 Billionen Mark gerade einmal, um 30 Zentner Kartoffeln zu bezahlen. Während der Ruhrbesetzung durch französische Truppen besorgt ein in Weitmar stationierter Militärpfarrer von sich aus den Waisen mehrere Zentner Erbsen, Brot, Mehl und Trockenfrüchte. Die Oberin Sr. Lucretia erreicht, dass die Zeche Zentrum-Hannover elektrisches Licht installiert, da die Versorgung mit Leuchtgas ausgefallen ist und die Kinder mehrere Wochen im Dunkeln leben.


    Als sich nach der Umstellung auf die Goldmark die wirtschaftliche Lage bessert, wird nicht nur die Kapelle mit einem neuen Altar, neuen Fenstern und einer neuen Ausmalung versehen - auch die Kinder kommen in den Genuss von Neuerungen: Badewannen und sogar eine Höhensonne werden angeschafft. Auch die personelle Situation bessert sich: Die Zahl der Schwestern steigt auf zwölf. Immer aber bleibt das Waisenhaus auf Unterstützung der Gemeinde angewiesen - und erhält sie auch. Bis 1930 sammeln die älteren Kinder des Hauses sonntags den Waisenhausgroschen ein: dann werden sie vom Waisenhaus-Sammelverein abgelöst. Wichtiger aber bleiben die Stiftungen: 1932 beispielsweise vermacht Franz Schulte-Hordelhoff aus Günnigfeld, der -durch den Verkauf von Land an die Zechen reich geworden ist, sein Gut bei Overath im Bergischen Land einer Stiftung, die erholungsbedürftige Kinder des Waisenhauses unterstützen soll. Erstmals können die Kinder daraufhin Ferien machen!


    Trotz des Konkordates zwischen dem Vatikan und dem Deutschen Reich wird bald nach der Machtergreifung Hitlers die Arbeit des Waisenhauses behindert: Alle Erziehung soll in den Händen des NS-Staates liegen. Schon 1935 darf der Waisenhaus-Verein keine Haussammlungen mehr durchführen, ab 1938 müssen die kirchlichen Häuser Grundsteuer bezahlen, 1939 - im Jahr des 50-jährigen Jubiläums - wird die Nähschule geschlossen, 1941 wird der Gemeinde verboten, ohne das städtische Jugendamt über den äußeren Bestand des Hauses zu verfügen, und während des Krieges ist es fast unmöglich, wichtige Güter (beispielsweise Leder zum Flicken) zu beziehen. Ab 1942 wird Wattenscheid dann auch von den alliierten Bombenangriffen getroffen, die der Ruhrindustrie gelten. Daraufhin werden die Kinder im Juni 1943 evakuiert. Die Jungen kommen ins ostwestfälische Geseke, wo sie in der Sackfabrik Feldmann untergebracht werden, die Mädchen nach Körtlinghausen.


    Es gibt Versuche, das fast leerstehende Haus – nur wenige Schwestern und Personal bleiben – zu enteignen. Durch eine Teilvermietung an die Zeche Holland, die in den Räumen Bergleute unterbringt, kann das verhindert werden. 1944 werden bei einem Angriff auf Geseke elf von 40 Kindern sowie zwei Schwestern und eine Angestellte getötet.


    Nach Ausbesserung der Kriegsschäden ist das Haus Anfang der 50er Jahre „nach heutigen Bestimmungen völlig unzureichend“. Am 27. September 1956 erfolgt der erste Spatenstich, und am 17. März 1957 wird der Grundstein des neuen „Kinderheims“, wie man sagt, gelegt. Das neue Haus soll 130 Kindern Platz bieten. Die Einweihung findet am 8. Juli 1958 statt. Schon ein Jahr später sind im Neubau 160, im Altbau 60 Kinder unterzubringen. So werden Pläne für einen neuen, größeren Jungentrakt entworfen. Die Fertigstellung des nördlichen Neubaus erfolgt bis 1962. Der Altbau wird endgültig abgerissen.


    Als im Jahr 1964 das 75-jährige-Jubiläums gefeiert wird, sind im Haus 14 Schwestern beschäftigt, 29 Personen auswärtiges Personal und neun sogenannte Sonntagshelferinnen. Die 150 Plätze des Hauses werden von 17 Säuglingen, 57 Kinder bis zu sechs Jahren und 71 Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren belegt, von denen – wie eigens bemerkt wird – 32 evangelisch sind: Die konfessionelle Beschränkung wurde inzwischen aufgegeben.


    Da die Zahl der Schwestern in den sogenannten „tätigen Orden“ immer mehr zurückgeht, teilt das Paderborner Mutterhaus der Wattenscheider Gemeinde Mitte 1970, dass die Vinzentinerinnen ihre Arbeit im Kinderheim zum 31.März 1972 beenden müssen. So vollzieht sich nach der Verabschiedung der letzten Schwestern der bis dahin einschneidenste Wandel in der Geschichte des Hauses. Ein Sozialpädagoge übernimmt die Leitung, Erzieherinnen und Erzieher treten an die Stelle der Ordensfrauen.


    Auch sonst gehen die gesellschaftlichen Entwicklungen nicht am Elisabeth - Heim vorbei. Aus der „Fürsorge“ ist die „Sozialhilfe“ geworden – im Idealfall nicht Versorgung, sondern Hilfe zur Selbsthilfe. So wird man auch zunehmend sensibel für die Probleme der Heimerziehung: Viele Kindern sind nicht nur mit dem Makel „Heimkind“ behaftet, sondern durch die Erziehung in einer „Anstalt“ oft ohne Wärme aufgewachsen und nicht auf das spätere Alltagsleben vorbereitet.


    Deshalb sucht man auch in der „Fürsorgeerziehung“ nach neuen Formen: Die Behörden bemühen sich mehr und mehr, Pflegefamilien für Waisen und vernachlässigte Kinder zu finden - das Heim soll nur „letzte“ Möglichkeit sein. So geht auch in Wattenscheid die Auslastung des Kinderheims enorm zurück. Schon 1974 wird die Zahl der Plätze, die bereits zuvor auf 120 gesenkt worden war, auf 96 reduziert; 1977 erfolgt eine weitere Reduzierung auf 80 Plätze.


    1978 erfolgt eine strukturelle Umstellung des Heims auf „Wohngruppen“, in denen Kinder aller Altersstufen und beiderlei Geschlechts zusammenleben. Auf diese Weise versucht man, den vielfach verhaltensgestörten Kindern so weit als möglich einen familienähnlichen Rahmen zu geben. Die Zahl der Plätze im Heim geht weiter zurück – 1979 auf 64. Schließlich wird 1982 wird beschlossen, das alte Haus ganz aufzugeben.


    Im Jahr darauf wird die offizielle Zahl der Plätze noch einmal reduziert; 50 Kinder können nun in fünf Wohngruppen – verteilt im Stadtgebiet- untergebracht werden.


    Während das Kinderheim bald darauf ganz aufgelöst wird, erwacht das Gebäude zu neuem Leben. Nachdem die Überlegungen, es in eine Suchtklinik umzuwandeln, aus Kostengründen gescheitert waren, war 1983 beschlossen worden, dort das seit langem dringend benötigte Altenheim einzurichten. Dazu ist allerdings ein gründlicher Umbau notwendig. Nach dem Auszug des Kinderheims beginnen die Arbeiten, am 17. September 1985 wird Richtfest gefeiert, und am 3. November 1986 ziehen die ersten neuen Bewohner in das „Altenwohn- und Pflegheim St. Elisabeth von Thüringen“ ein.

  • Aktuell: 1986 – 2019

    Hier folgen in Kürze weitere Informationen.

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Altenwohn- und Pflegeheim St. Elisabeth von Thüringen

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